Hasemann und die mir angetraute, beste Ehefrau von allen



Es gibt Autoren, die einen begleiten, ohne es zu wissen.
Ephraim Kishon war für mich so einer.
Er sah die Welt mit diesem leicht schiefen Blick,
der Menschen nie verurteilte –
sie aber zuverlässig dabei erwischte, wie sie Mensch waren.
Und er hatte in seinen Geschichten
die „beste Ehefrau von allen“.

Ein Satz, der sich irgendwann
still in meinem Kopf niedergelassen hat.
Deshalb habe ich, viele Jahre später,
Ephraim Kishon nachträglich um Erlaubnis gebeten,
diese Formulierung ebenfalls verwenden zu dürfen.

In einem gedanklichen Zwiegespräch antwortete er mir,
ganz in seiner bekannten trockenen Art:
Solange es nicht meine ist, dürfen Sie das ruhig sagen.
Seitdem benutze ich diesen Satz.
Allerdings mit einer kleinen Anpassung.

Bei mir heißt sie
meine mir angetraute, beste Ehefrau von allen.

Streng genommen ist „meine mir angetraute Ehefrau“ natürlich ein Pleonasmus. Also eine überflüssige Häufung von Wörtern, die dasselbe meinen.

Wer „angetraut“ sagt, hat die Ehe sprachlich bereits erledigt.
Die Ehefrau wird dadurch gewissermaßen doppelt verheiratet.
Dennoch verwende ich diesen Ausdruck ganz bewusst.
Er klingt ein wenig feierlicher.
Ein Hauch altmodisches Amtsdeutsch schwingt darin mit.
Und vor allem versteht jeder sofort, wen ich meine.

Ich schreibe heute meinen eigenen Stil.
Hasemann ist nicht Kishon.
Aber dieser eine Satz
hat es verdient, weiterzuleben.

Denn Tradition bedeutet nicht,
die Asche zu bewahren.
Sondern das Feuer weiterzugeben.
Und deshalb sage auch ich –
mit großem Respekt vor seinem Erfinder:
Denn auch ich habe sie.
Meine mir angetraute, beste Ehefrau von allen.

Kommentare

  1. mc zhao

    Ein schöner Text über den leisen Einfluss von Kishons Sprache und darüber, wie ein einzelner Satz über Jahre hinweg weiterlebt. Der Hinweis auf den Pleonasmus ist treffend und macht die bewusste Verwendung des Ausdrucks nur sympathischer.

  2. he liu

    Der Text trifft genau den Ton, den Kishon selbst gern angeschlagen hat: trocken, selbstironisch und mit einem leisen Augenzwinkern. Der Pleonasmus „meine mir angetraute Ehefrau“ wird nicht entschuldigt, sondern mit einem Augenzwinkern gefeiert, und das Schlussbild vom Feuer, das man weitergibt statt der Asche, passt gut zu einem Autor, der eine Formulierung übernimmt, ohne den eigenen Stil zu verleugnen.

  3. first-rate

    Der Pleonasmus ist eigentlich das Schöne an der Formulierung – „angetraut“ und „Ehefrau“ doppeln die Verbundenheit, statt sie zu verwässern. Und der Gedanke, eine Kishon-Wendung mit leiser Selbstironie weiterzutragen, passt gut zu seinem trockenen Ton.

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